Mobbing – ein Gruppenphänomen mit schweren Folgen

Shownotes

In der neusten Folge des Podcasts «Bildungsreise» spricht Damian mit Christelle Schläpfer. Sie ist ehemalige Gymnasiallehrerin und gilt in der Schweiz als führende Expertin für Mobbing, Cybermobbing und psychosoziale Dynamiken im schulischen Kontext. Gemeinsam gehen sie der Frage nach, was Mobbing ist und was nicht, wie es sich von Konflikten unterscheidet und warum betroffene Kinder so selten Hilfe holen.

Christelle macht deutlich: Nicht jede Gemeinheit ist Mobbing. Konflikte sind punktuell, meist einmalig und zwischen gleich starken Parteien. Mobbing hingegen ist ein Prozess: systematisch, wiederholt, über längere Zeit – und immer gegen dieselbe Person gerichtet. Ziel ist nicht, ein Problem zu klären, sondern eine Person zu beschämen, auszugrenzen oder zu verletzen. Besonders tückisch: Mobbing geschieht oft im Verborgenen.

Ein Schwerpunkt der Folge liegt auf der Gruppendynamik. Mobbing ist kein Zweikampf zwischen Täter:in und Opfer, sondern ein Gruppenphänomen. Mitläufer:innen und Zuschauer:innen ermöglichen das Geschehen durch Mitmachen oder Schweigen. Dahinter steht ein starkes menschliches Bedürfnis nach Zugehörigkeit: Kinder passen sich an, um nicht selbst aus der Gruppe zu fallen.

Christelle unterscheidet zwischen passiven und aktiven Opfern. Passive Opfer ziehen sich zurück und erdulden das Geschehen. Aktive Opfer hingegen wehren sich, reagieren laut oder impulsiv und werden in der Schule häufig als «schwierig» wahrgenommen. Ihr Mobbingerleben bleibt dadurch nicht selten lange unerkannt.

Kinderstimmen in der Folge zeigen eindrücklich, wie sich Mobbing anfühlt: Angst vor der Schule, Rückzug und das schmerzhafte Gefühl, von Freund:innen im Stich gelassen zu werden.

Christelle erklärt, warum viele betroffene Kinder keine Hilfe holen – aus Angst, als «Petze» zu gelten oder dass alles noch schlimmer wird. Sie betont den wichtigen Unterschied zwischen Petzen und Zivilcourage: Hilfe zu holen, weil es jemandem schlecht geht, ist Mut.

Ein weiterer Teil widmet sich dem Umgang mit Mobbingfällen. Klar benannt werden No-Gos für Eltern und Schule: keine direkten Konfrontationen, keine Gegenüberstellungen, keine Strafen und keine öffentlichen Diskussionen im Klassenrat. Stattdessen braucht es sorgfältige Beobachtung über Zeit, systemische Fallanalysen und Sicherheit für das betroffene Kind – und bei Bedarf externe Unterstützung.

Zum Schluss geht es um Prävention und Intervention. Christelle plädiert für eine gelebte Haltung statt einzelner Präventionslektionen: früh eingreifen bei Mikroaggressionen, Beziehungen stärken und Verantwortung gemeinsam tragen. Ziel ist nicht nur, dass Mobbing aufhört, sondern dass die Klassengemeinschaft gestärkt daraus hervorgeht.

Tauche ein in diese aufklärende Folge über Mobbing als Gewalt- und Kinderschutzthema – und warum genaues Hinschauen entscheidend ist. Eine Reise für alle, die Kinder auf ihrem Lebensweg begleiten.

Der Podcast ist unabhängig und unentgeltlich. Wenn du ihn schätzt, freue ich mich über deine Unterstützung. Herzlichen Dank!

Im neuen Jahr erwarten dich vier Live-Podcasts. Infos und Tickets zum Auftakt am 12. März 2026 zum Thema Bildungsgerechtigkeit in Aarau findest du hier:

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Die Musik wurde speziell von Singer/Songwriter Tobias Jensen für diesen Podcast komponiert.

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