Hochbegabung – zwischen IQ, Potenzial und fehlender Passung
Shownotes
In der 27. Folge des Podcasts «Bildungsreise» spricht Damian mit Letizia Gauck. Sie ist Psychotherapeutin und Fachpsychologin für Kinder- und Jugendpsychologie und leitet das Zentrum für Entwicklungs- und Persönlichkeitspsychologie an der Universität Basel. Gemeinsam gehen sie den Fragen nach, was Hochbegabung ist, wie sie erkannt werden kann und warum das Thema bis heute mit vielen Vorurteilen behaftet ist.
Viele verbinden Hochbegabung mit «Wunderkindern», konstanten Spitzenleistungen oder einem sehr hohen IQ. Doch dieses Bild greift zu kurz. Hochbegabung ist in erster Linie ein Potenzial, das sich sehr unterschiedlich zeigen kann – und nicht automatisch in guten Noten oder schulischem Erfolg sichtbar wird. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Fähigkeiten, Motivation, Persönlichkeit und Umfeld.
Die Folge macht deutlich, dass viele hochbegabte Kinder im Schulalltag unerkannt bleiben. Während sich einige anpassen oder bewusst «unter dem Radar» bleiben, reagieren andere auf Unterforderung – etwa durch Unruhe, Rückzug oder fehlende Motivation. Besonders komplex wird es, wenn zusätzliche Faktoren wie ADHS, Autismus oder Lernschwierigkeiten dazukommen («twice exceptional»). Zudem zeigt sich, dass Minderleistung selten ein Zeichen fehlender Fähigkeit ist, sondern vielmehr Ausdruck einer fehlenden Passung zwischen Kind und Lernumgebung.
Ein weiteres zentrales Thema sind Vorurteile und die Tabuisierung. Hochbegabung wird oft mit Elite, Leistungsdruck oder sozialer Schwierigkeit verknüpft. Dabei halten sich hartnäckige Zuschreibungen: Hochbegabte gelten als sozial schwierig, überheblich oder automatisch erfolgreich. Die Folge macht deutlich, wie stark diese Bilder den Blick auf Kinder prägen – und wie wichtig es ist, Begabung differenziert zu betrachten.
Im Gespräch geht es auch um Diagnostik: Eine Abklärung kann helfen, Potenziale sichtbar zu machen und Kinder besser zu verstehen. Diagnosen können entlasten und Orientierung geben, bergen aber die Gefahr von Etikettierungen. Entscheidend ist, ob ein Kind Unterstützung braucht und wie gut das Umfeld auf seine Bedürfnisse eingehen kann.
Zum Schluss rückt die Frage in den Fokus, was hochbegabte Kinder wirklich brauchen. Die Antwort ist überraschend einfach: in erster Linie das Gleiche wie alle Kinder – Beziehung, Wertschätzung und Verständnis. Ergänzend dazu braucht es eine gute Passung im Unterricht, individuelle Förderung und Erwachsene, die Potenziale erkennen, ohne Druck aufzubauen. Denn hochbegabte Kinder brauchen nicht weniger, sondern oft mehr Begleitung.
Eine differenzierte Folge über Hochbegabung zwischen Potenzial und Erwartung – und darüber, wie Kinder gesehen, verstanden und in ihrer Entwicklung begleitet werden können. Eine Reise für alle, die Kinder auf ihrem Lebensweg begleiten.
In den kommenden Monaten erwarten dich drei weitere Live-Podcasts. Infos und Tickets zur zweiten Show in Bern zum Thema Inklusion findest du hier:
Mehr über Letizia Gauck sowie weitere Informationen und Hintergründe zum Thema Hochbegabung findest du hier:
- Letizia Gauck – LinkedIn
- Stiftung für hochbegabte Kinder
- Schweizerisches Institut für Hochbegabung
- Positionspapier LCH
Der LISSA-Preis zeichnet Projekte und Initiativen aus, die sich für die Förderung hochbegabter Kinder und Jugendlicher engagieren und innovative Wege in der Begabungsförderung gehen. Weitere Informationen zum Wettbewerb und zur Bewerbung findest du unter:
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Die Musik wurde speziell von Singer/Songwriter Tobias Jensen für diesen Podcast komponiert.
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